Tiere in der Tuschmalerei – Essenz und Symbolik

Ob einzelne Maler oder traditionelle Malschulen –  in den überlieferten Bildern der Tiere in der Tuschmalerei zeigen sie uns, wie genau Lebewesen studiert wurden, wie kunstfertig sie in ihrem Lebensraum, in flüchtiger Bewegung, in Situationen, die ein zeitliches Davor und Danach assoziieren, mit geübten Pinselstrichen eingefangen wurden.  Wenn es auch um eine biologisch „richtige“ Darstellung geht, hat es nichts mit „Abmalerei“ zu tun, die beobachteten Tiere werden stilisiert abgebildet; und weiter gefasst, geht es auch hier um Einfühlen und Finden der Essenz.

 

Diese naturnahen Motive der Tiere in der Tuschmalerei geben stets auch eine Botschaft weiter. Die Symbolik der chinesischen und japanischen Bilderwelt ist reich. Reich an Anspielungen, Hintergründigem und Allegorien. So erklären sich auch aus dem Reigen der zwölf chinesischen Tierkreiszeichen Kräfte und Wünsche, die beispielsweise Hahn, Ratte, Hund oder Tiger zugeschrieben werden.

 

Als „Jahresregent“ 2017 prägt der Feuer-Hahn das Geschehen, bringt Zuversicht, Energie, Tatendrang. Die in seinem Zeichen geboren wurden und werden sind mutig, beschützend, ehrlich kommunikativ – auch extravagant und stolz, heißt es. Im klassischen „Buch der Lieder“ (ca. 135 v.Chr.) werden dem Hahn fünf Tugenden zugeschrieben: Sein kronenartiger Kamm symbolisiere die literarische Kultiviertheit, seine Sporen kennzeichneten den kriegerischen Kampfgeist, Furchtlosigkeit und Tapferkeit gegenüber Feinden, seine Lockrufe beim Auffinden von Futter deuteten sein selbstloses Wohlwollen an, und sein zuverlässiger Instinkt für Zeit und Pünktlichkeit verwiesen auf Vertrauenswürdigkeit.

 

 

Andere Beispiel für die Symbolik der Tiere in der Tuschmalerei sind der Tiger (Mut und Tapferkeit), die Schildkröte (langes Leben, Beständigkeit, Unwandelbarkeit, kosmisches Geheimnis),  Kröte und Frosch (langes Leben, unerreichbare Wünsche, Unverwundbarkeit). Der Wasserbüffel mit seinem Hirten gehört zu einer Zen-Parabel und tauchte schon in altindischen buddhistischen Traditionen auf. Sperlinge waren die Lieblinge buddhistischer Malermönche – sie verkörpern mit ihrer Lebendigkeit und Freiheit die Loslösung von diesseitigen Fesseln.

 

 

 

Die tiefen Zuneigung zur Natur, zu allen Lebewesen, eine wunderbare ästhetische Umsetzung der Themen und die virtuose Pinselführung der Meister sind stets aufs neue inspirierend.

So empfand es  einst auch der  Bildhauer Auguste Rodin:  „ … wie in Japan, das es verstanden hat, die Seele der kleinsten und der größten Dinge zu finden: das Meer, die Wolken, den Baum, das Insekt … Dieser Schule bin ich gefolgt.“

Zum Abschluss möchte ich Ihnen eine weitere Kunstrichtung empfehlen zum Thema: „3D Straßenmalerei & Wandmalerei